Tetelestai – Es ist vollbracht.
Direkt bevor er am Kreuz starb, sagte Jesus dieses Wort. Tetelestai verstehen viele als „Es ist vollbracht!“
Denkt aber einfach mal drei Tage weiter: Was ist passiert?
Jesus ist von den Toten auferstanden, dann über viele Tage seinen Nachfolgern erschienen und schließlich vor den Augen der Jünger in den Himmel aufgefahren. Es war also doch noch nicht alles vollbracht und selbst hier endet die Geschichte nicht.
Im Laufe des Neuen Testaments lesen wir immer wieder, dass die Apostel noch auf viele Dinge gewartet haben. Hier sind ein paar Beispielverse:
„Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns, die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit.“
1. Petrus 1:3-5
„Und dieses [sollen wir tun] als solche, die die Zeit verstehen, dass nämlich die Stunde schon da ist, dass wir vom Schlaf aufwachen sollten; denn jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir gläubig wurden.“
Römer 13:11
„Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die uns in Kürze geoffenbart werden soll. Denn die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei.“
Römer 8:18-19
In diesen Versen steht unter anderem, dass die Apostel glaubten, das Heil würde erst noch kommen und ihre Errettung läge noch in der Zukunft. Das steht im starken Kontrast zu „Tetelestai“ und zu unserer Überzeugung, dass die Apostel schon errettet waren. Gleichzeitig scheint es Versen zu widersprechen, die sagen, dass die Apostel schon erlöst waren. Z.B. in diesem Vers:
„In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Übertretungen nach dem Reichtum seiner Gnade,“
Epheser 1:7
Theologen nennen diesen scheinbaren Widerspruch „already, but not yet“ oder auf Deutsch: „schon jetzt, aber noch nicht“.
Jesus ist schon für die Sünden der Menschheit gestorben und an vielen Stellen lesen wir, dass die Gläubigen bereits errettet waren – und doch stand ihre Errettung gleichzeitig noch aus.
Das priesterliche Bild
Das lag daran, dass Jesu priesterliche Pflicht noch nicht beendet war. Wir trennen oft Jesu Kommen als Mensch und seine Wiederkunft, aber biblisch betrachtet hängt beides eng miteinander zusammen.
Der Hebräerbrief macht das sehr deutlich: Hohepriester gingen in das Heiligtum, brachten Opfer dar und kamen anschließend wieder aus dem Heiligtum. Das war das Zeichen, dass das Ritual vollbracht und ihre Sünden bedeckt waren. Jesus tat dasselbe – nur stand der letzte Teil dieses „Rituals“ noch aus.
„Denn nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, in eine Nachbildung des wahrhaftigen, ist der Christus eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen; auch nicht, um sich selbst oftmals [als Opfer] darzubringen, so wie der Hohepriester jedes Jahr ins Heiligtum hineingeht mit fremdem Blut, denn sonst hätte er ja oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an. Nun aber ist er einmal offenbar geworden am Ende der Zeitalter zur Aufhebung der Sünde durch das Opfer seiner selbst. Und so gewiss es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, so wird der Christus, nachdem er sich einmal zum Opfer dargebracht hat, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen, zum zweiten Mal denen erscheinen, die auf ihn warten, nicht wegen der Sünde, sondern zum Heil.“
Hebräer 9:24-28
Die Apostel glaubten, dass Jesus wiederkommen und dann Heilung und Errettung bringen würde. Dass am Kreuz noch nicht alles vollbracht war, ist wichtig, weil wir ansonsten ständig verwirrt sind, wenn wir lesen, dass die Apostel noch auf viele Dinge gewartet haben.
Tetelestai bezieht sich demnach auf das irdische Wirken Jesu bis zum Kreuz – nicht auf die gesamte Heilsgeschichte.

