In der Endzeitrede in Matthäus 24, Lukas 21 und Markus 13 beschreibt Jesus ein Gericht über Israel, in dem der Tempel und die Stadt zerstört werden. Soweit sind sich alle einig, jeder weiß, dass es in diesen Kapiteln hierum geht.
Verschiedene Sichtweisen sind entstanden, weil man sich über den Zeitpunkt der Erfüllung dieser Dinge uneinig ist. Dabei sagt Jesus seinen Jüngern, in welchem Zeitraum sich seine Prophetien erfüllen würden:
„Wahrlich, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist.“
Matthäus 24:34
Direkte Ansprache der Jünger
Auf den ersten Blick ist das nicht schwer zu verstehen. Jesus sagt seinen Jüngern:
„Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; …“
Matthäus 24:6
Und so weiter. Er spricht seine Jünger direkt an, ihnen würde all dies widerfahren, und schließlich bestätigt er das alles, indem er sagt, dass diese Generation nicht vergehen würde, bis sich alles erfüllt habe.
Die alternative Bedeutung
Es gibt jedoch die Behauptung, dass Jesus gar nicht von einer Generation gesprochen hat, also von einer Zeitspanne, sondern von einer Volksgruppe.
Angeblich hat er nicht „Generation“, sondern „Geschlecht“ gesagt, und damit gemeint, dass die Art oder Rasse der Juden nicht vergehen würde, bis alle diese Dinge geschehen sind.
Mit diesem Argument versucht man, die Erfüllung der Endzeitrede vom 1. Jahrhundert zu lösen und tausende Jahre in die Zukunft zu verschieben.
Das Gute ist: Diese Theorie lässt sich sehr leicht prüfen.
Was bedeutet „genea“?
Im Urtext benutzt Jesus an dieser Stelle das Wort genea, welches „Generation“ bedeutet – genauer gesagt: eine Zeitspanne, in der eine Gruppe von Menschen mit einer gemeinsamen Eigenschaft gleichzeitig lebt.
Einige Futuristen bestreiten jedoch genau diese Definition.
Wie prüfen wir, was genea wirklich bedeutet? Ganz einfach: Wir sehen uns andere Bibelstellen an, in denen dasselbe Wort vorkommt.
Vergleich mit anderen Bibelstellen
„So sind es nun von Abraham bis zu David insgesamt vierzehn Generationen und von David bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Generationen und von der Wegführung nach Babylon bis zu Christus vierzehn Generationen.“
Matthäus 1:17
Kann man hier „Rasse der Juden“ einsetzen? Offensichtlich nicht. Es geht klar um aufeinanderfolgende Generationen.
„Meine Seele erhebt den Herrn … denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Generationen!“
Lukas 1:46–48
Maria wird nicht von „allen Rassen der Juden“ glückselig gepriesen, sondern von allen Generationen.
„Seine Barmherzigkeit währt von Generation zu Generation …“
Lukas 1:49–50
Auch hier ist eindeutig von Zeitspannen die Rede.
Weitere Beispiele
„Er ließ in den vergangenen Generationen alle Heiden ihre eigenen Wege gehen;“
Apostelgeschichte 14:16
„… das in früheren Generationen den Menschenkindern nicht bekannt gemacht wurde …“
Epheser 3:4–5
Das Wort genea bezieht sich eindeutig auf Menschen, die gleichzeitig während einer bestimmten Zeitspanne leben.
Ein anderes Wort für „Rasse“
Wenn die Apostel von der „Rasse“ der Juden sprechen wollten, benutzten sie ein anderes Wort, zum Beispiel genos.
„… dieser handelte arglistig gegen unser Geschlecht (genos) …“
Apostelgeschichte 7:17–19
Hier wird deutlich vom Volk der Juden gesprochen – nicht von einer Zeitspanne.
Neue Argumentationslinie
Inzwischen haben viele futuristische Endzeitlehrer erkannt, dass Jesus tatsächlich von einer Generation gesprochen hat.
Deshalb wird heute oft anders argumentiert:
Statt „diese Generation“ heißt es dann sinngemäß:
„Die zukünftige Generation, die diese Zeichen sieht, wird nicht vergehen …“
Doch das steht so nicht im Text.
Jesus sagt klar „diese Generation“. Um daraus eine zukünftige Generation zu machen, müssen zusätzliche Worte eingefügt werden.
Fazit
Die Aussage Jesu ist eindeutig formuliert.
Die Frage ist nicht, was dort steht – sondern ob man bereit ist, es so stehen zu lassen.

